Das Wasserkraftwerk Dahlhausen
ist am Pfingstmontag geöffnet

Im Rahmen des Deutschen Mühlentages steht das Wasserkraftwerk Dahlhausen
am Pfingstmontag, den 5. Juni 2017 von 11:00 bis 17:00
interessierten Besuchern offen

Schirmherr der Veranstaltung ist das Wülfingmuseum aus Radevormwald-Dahlerau.
Mitarbeiter des Wülfingmuseums sorgen an diesem Tag für ihr leibliches Wohl.

Informationen zu der Veranstaltung gibt es unter der Telefonnummer: 02191/660598.
für den Tag ist ein spezielles Infotelefon unter der Nummer 0171/6092273 eingerichtet.

Erreichbar sind wir auch per E-Mail:
dominick.nfb@t-online.de oder info@wuelfingmuseum.de
Die offizielle Adresse ist 42477 Radevormwald-Dahlhausen, Hardtstraße 64.

Mögliche Anfahrten sind:
Von Remscheid-Lennep über die B 229 Richtung Radevormwald, über die Wuppertalsperre, an der ersten Ampelkreuzung nach links ins Tal der Wupper.
In der Ortschaft Radevormwald-Dahlhausen liegt links die ehemalige Spinnerei von Hardt, Pocorny & Co.
oder
Von Wuppertal durch das Tal der Wupper an Beyenburg, Dahlerau, Vogelsmühle vorbei bis nach Radevormwald-Dahlhausen.
In der Ortschaft Dahlhausen liegt rechts die ehemalige Spinnerei von Hardt, Pocorny & Co.

Der Weg zum Kraftwerk führt durch das Fabriktor der Spinnerei über die Werkstraße bis zum hinteren Ende des Betriebes zu einem hohen Schornstein. Dieser Weg ist beschildert.

Wülfing-Aktionstag im Wasserkraftwerk Dahlhausen

Der Energie-Aktionstag des Wülfingmuseums findet am 27. August 2017
im Wasserkraftwerk Dahlhausen statt.




Das Wasserkraftwerk Dahlhausen


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1918 Ab diesem Jahr galt in Deutschland die achtstündige Arbeitszeit. Was für die Arbeiter ein Fortschritt war, warf für die Unternehmen Probleme auf. Es mußte in dieser Zeit genausoviel produziert werden, wie vorher bei zehnstündiger Arbeitszeit. Das bedeutete wiederum, daß die Maschinen mehr leisten mußten und deshalb mehr Energie benötigten.
1920 Die Fa. Hardt, Pocorny & Co. hatte der Wupper-Talsperren-Genossenschaft bereits vier Jahre vorher den Stauteich und das Wehr in der Wupper überlassen. Die Genossenschaft benötigte den Teich als Ausgleichsweiher für den ungleichmäßgen Abfluß der Talsperren am Oberlauf der Wupper. Im Gegenzug garantierte Sie HPC eine voll funktionsfähige Wasserkraftanlage.
Der Teich war total verschlammt und mußte gereinigt werden. Die Genossenschaft gelangte zu der Überzeugung, das ein neues Wehr mit einem größeren Teich sich viel billiger stellte, als die Reinigung des alten Teiches.
Von einem vergrößerten Teich (Stauweiher) profitierte die Fa. Hardt, Pocorny und Co. als Energiespeicher. Diese Energie mußte nur zu der 400 m entfernten Spinnerei gelangen. Das geschah am besten auf elektrischem Wege.
Natürlich zahlte sich der erhöhte Wasserabfluß tagsüber für die unterhalb gelegenen Fabriken (Johann Wülfing & Sohn und Peter Schürmann & Schröder ebenfalls aus.
1921/1922 Das neue Wasserkraftwerk ging in Betrieb. Die von Francisturbinen angetriebenen Generatoren (300 kW, 300 kW und 48 kW bei 3150 Volt) konnten Drehstrom an die Elektromotoren der Fabrik schicken.
Diese Energie reichte jetzt für die verkürzte tägliche Arbeitszeit gut aus. Alle Turbinen benötigten jedoch für diese Leistung in jeder Sekunde rund 17 m³ Wupperwasser.
Soviel Wasser lieferte der Fluß selten, und der Wasserspiegel des 200000 m³ fassenden Stauteiches sank während der Arbeitszeit beträchtlich. Das war auch so geplant, denn in der nächtlichen Ruhezeit füllte die Wupper den Teich wieder auf.
1922 Die Maschinisten des Kraftwerkes bekamen die Anweisung, in der Zeit von 6:15 bis 17:00 nur soviel Wasser zu entnehmen, daß der Wasserspiegel Nachts wieder auf den Sollwert steigen konnte.
Wenn jedoch die Wupper noch weniger Wasser führte, konnten zwei dieselbetriebene Notstromaggregate der Fa. Deutz (je 300 PS/200kW) die Energiedifferenz ausgleichen.
1923 Ein drittes Dieselaggregat wird in einem Erweiterungsbau aufgestellt.
1925 Die Bergischen Licht & Kraftwerke lieferten damals schon Strom an HPC.
Sie boten Direktor Pocorny an, soviel Strom zu liefern, daß die Dieselaggregate nicht mehr gebraucht würden. Hermann Pocorny lehnte jedoch dankend ab, er möchte lieber eine autarke Energieversorgung besitzen.
im 2. Weltkrieg Kriegsbedingt brach die öffentliche Energieversorgung öfters zusammen. Das Wasserkraftwerk sprang mehr als einmal als Stromversorger für ganz Dahlhausen ein.
nach dem 2. Weltkrieg Die Transformatoren des RWE benötigen den Platz von Dieselmotor III und konnten von nun an ausreichend Strom für die Spinnerei liefern.
1956/1958 H.P.C. ließ ein neues Kesselhaus mit zwei Hochleistungsdampfkesseln der Fa. Dürr errichten.
1958/1962 Zwei Dampfturbinenaggregate (660PS/440kW und 580PS/400kW) erzeugten Anstelle der Dieselmotoren Strom und gaben ihren Abdampf an den Betrieb ab.
7. August 1962 Dieselmotor II lief eine halbe Stunde zur Probe und erzeugte dabei zum letzten Mal 30 kWh an elektrischen Strom.
Er verbrauchte dafür 40 Liter Kraftstoff.
Die anderen beiden Aggregate sind um diese Zeit schon längst verschrottet, wann jedoch genau, darüber scheiden die Geister.
Damals entstand die Sage, daß der verbliebene Motor früher in einem U-Boot Krieg gespielt haben soll
1974 Die Firma Hardt Pocorny & Co schloß die Werkstore.
Es bedeutete das Aus für die Dampfturbinenaggregate.
1985 Die Gebrüder Senft erwarben das Wasserkraftwerk.
Es funktionierten nur noch die beiden großen Francisturbinen mit den 300 kW Generatoren.
Ein ehemaliger Elektromeister von H.P.C. überwachte und fuhr diese Maschinen.
1988 Das Wehr bestand aus dem "BilligBeton" der zwanziger Jahre. Es war so morsch, daß man mit den Fingern Löcher in den Beton puhlen konnte.
Deshalb untersagte die "STAWA" (staatliches Amt für Wasser- und Abfallwirtschaft) den Vollstau des Stauweihers und verfügte eine Absenkung der Wehrklappen.
1995 Natürlich wurde der Beton nicht besser, so daß aus Sicherheitsgründen der Teich komplett geleert werden mußte.
Die Stromerzeugung kam ganz zum erliegen.
1997 Der Wupperverband wollte das morsche Wehr abreißen.
Es stand jedoch unter Denkmalschutz und die entsprechende Behörde ordnete eine denkmalgerechte Reparatur an.
Vielleicht galt auch noch der Vertrag von 1914, nach welchem der Wupperverband für eine intakte Stauanlage sorgen mußte.
1999 Nach der Instandsetzung konnte das Wehr wieder voll genutzt werden. Nun waren die Gebrüder Senft als Eigentümer dran.
Das Denkmalamt genehmigte eine neue Wasserkraftmaschine im Bereich der alten Wasserkammer von Zwillingsfrancisturbine I und der Hilfsturbine.
Auflage: Die Anlage mußte unsichtbar sein und das alte Kraftwerk sollte bestehen bleiben.
20.10.2000 Eine Kaplanturbine der Fa. Gugler drehte einen Asynchrongenerator , so daß dieser 80 Kilowatt lieferte. Das war noch nicht viel und es war auch noch nicht viel Wasser da.
1,5 Millionen Kilowattstunden sollen es im Jahr werden, denn Wasser, Wasser und Regen, davon gibt es im Bergischen Land genug.
Da hier noch etwas Platz ist, können wir noch ein Interwiew mit Albert Schmidt (1841 - 1932) veröffentlichen. Der Lenneper Baumeister konnte auf langjährige Erfahrungen mit der Dahlhauser Wassserkraftanlage zurückblicken. Als Insider besaß er seine eigene Meinung zur achtstündigen Arbeitszeit.
Herr Schmidt, was sagen Sie zum Achtstundentag ?
"Nun, der Krieg ist verloren gegangen und mit ihm endete das deutsche Kaiserreich. Die sozialistische Revolution, veranlaßt durch die Kriegsverräter, brachte uns als Haupterrungenschaft den Achtstundentag. Anstatt die ungeheuren Kriegsverluste durch Mehrarbeit wieder auszugleichen, wurde von den Volksverführern, welche keine Ahnung von Volkswirtschaft hatten, aber der Arbeitermasse schmeicheln wollten, eine verminderte Arbeitszeit eingeführt. Diese verminderte Arbeitszeit war für die gesamte Industrie von größter Bedeutung, da alle Anlagen und Einrichtungen durch die Verminderung der Produktion weniger rentabel wurden."
Herr Schmidt, wie soll dieses Problem gelöst werden?
"Wegen der unsicheren Verhältnisse in der Revolutionszeit hatte man natürlich die projektierten Veränderungen der Wasserkraftanlagen in Dahlhausen noch nicht ausgeführt, und machte ich nun andere Vorschläge, welche ich früher schon zur Erwägung gestellt hatte, die aber damals noch nicht angenommen wurden."
(entnommen aus Albert Schmidt's Lebenserinnerungen)

Vermutlich fand ein solches Interview niemals statt. Trotzdem spiegelt diese Ansicht den Hauptgrund für den Bau des Wasserkraftwerkes wider.

©

Peter Dominick 2015