Der Zusammenschluß

220/380 Volt Drehstrom Strom aus der Steckdose
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Feindliche Übernahme

Wie schon im Kapitel über Kräwinklerbrücke angeführt, übernahm das RWE mit der Aktienmehrheit der E - Werk Kräwinklerbrücke AG die Stromversorgung des südlichen Landkreises.

Die Gründung

Aus finanzpolitischen Gründen übernahm die Aktiengesellschaft aus Kräwinklerbrücke im März 1912 zuerst einmal für knapp über 2000000,- Mark das gesamte Inventar der Firma Johann Wülfing & Sohn E - Werke GmbH.
Anfang April des gleichen Jahres ist dieser Zusammenschluß in Bergische Licht- & Kraftwerke (BLK)umgetauft worden.

Strom in Wermelskirchen

Das RWE als Muttergesellschaft übertrug den BLK die Betriebsführung des ebenfalls übernommenen Elektrizitätswerkes Wermelskirchen.

Der technische Zusammenschluß

Vom Wasserkraftwerk Kräwinklerbrücke und vom Dampfkraftwerk in der Düstergasse am Bahnhof sind 1911/1912 zum Schalthäuschen an der Trecknase 10 kV - Kabel gezogen worden.
In diesem Schalthäuschen verbanden die BLK die Stromnetze des nördlichen und südlichen Teils des Landkreises Lennep.

Strom satt

Die BLK hatten vom ewigen Strommangel die Nase voll.
Sie machten Nägel mit Köpfen, in dem sie beide Netze an die zwei 30 MW leistenden Dampfturbinen im Steinkohlekraftwerk in Düsseldorf - Reisholz anschlossen.
Dadurch wurde das Bergische Land für die Versorgung durch die Braunkohlenkraftwerke auf der anderen Rheinseite vorgemerkt.

Die Spannung wird immer höher

1914 ist von der "Vorgebirgscentrale" bei Hürth - dem späteren Goldenbergwerk - ein 110 kV - Kabel nach Düsseldorf - Reisholz gezogen worden.

Das Ende des Energiehungers

Noch im ersten Weltkrieg plante das RWE die Weiterführung dieses Kabels nach Wuppertal - Ronsdorf.
1925, als dort die neue Umspannstation ans 110 kV - Netz ging, versorgte sie über 10000 und 25000 Volt - Leitungen das Bergische Land.



220/380 Volt Drehstrom

Der Zusammenschluß Strom aus der Steckdose
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Stromein- schränkungen

Im ersten Weltkrieg sprach der Reichskommissar für die Kohlenverteilung - Dr. Ing. Dettmar - wegen des Steinkohlenmangels Stromverbrauchsbeschränkungen für den Landkreis aus.
Diese Einschränkungen bedeuteten, daß Reklamebeleuchtung generell ausgeschaltet bleiben mußten. Die Beleuchtung für Schaufenster, Läden, Gastwirtschaften, Theater und Kinos war stark eingeschränkt.
Wer dennoch zu viel Strom verbrauchte, mußte 1,- Mark für die Kilowattstunde bezahlen.

schon 1918

Versuchten die BLK die Wermelskirchener zur Benutzung von Drehstrom an Stelle von Gleichstrom zu bewegen.

Seltsame Praxis

Die Bergischen Licht & Kraftwerke setzten damals folgende - etwas seltsame Tarife fest :
je kWh für Licht bei Gleichstrom 40 Pfg., bei Drehstrom 16 Pfg.
je kWh für Kraft bei Gleichstrom 30 Pfg., bei Drehstrom 14 Pfg.

Inflation

Durch die hohen Kohlenpreise und die Inflation in den zwanziger Jahren stiegen die Stromkosten enorm.
Am 4. Juli 1923 war der Höchststand erreicht, zu diesem Zeitpunkt wurde für die Kilowattstunde Licht 3920,- und Kraft 1830,- Reichsmark bezahlt.

Am 12. Mai 1921

Waren am BLK - Netz folgende Kleinverbraucher angeschlossen.
15000 Glühlampen,
233 Motoren kleiner als 5 PS mit einer Gesamtleistung von 790 PS und 9 Motoren 5 - 12 PS mit einer Gesamtleistung von 67 PS

Ende 1921

Begann die Umstellung des Dreileiter - Gleichstromnetzes und des 3 110 V bzw. 3 220 V Drehstromnetzes ohne Null - Leiter auf das heutige 220/380 V Drehstromnetz mit Null - Leiter in großem Umfang.

Neue Birnen

Zwar zeigten sich die BLK kulant und erklärten sich auch bereit, neue 110V - Glühlampen kostenlos gegen 220 Volt - Lampen auszutauschen.
In Beyenburg waren die BLK kulant und übernahmen ein Drittel der Kosten für das Umwickeln der Drehstrommotoren. Ob sie sich woanders auch so großzügig zeigten ?
Trotzdem wurde die Umstellung um jeden Preis durchgezogen.

Motorentausch

Andere Firmen, wie zum Beispiel das "Bergische Elektromotorenwerk" in Kräwinklerbrücke profitierten auf andere Art und Weise vom neuen 220/380 Volt Netz.
Die Besitzer von alten Drehstrommotoren konnten dort ihre Motoren von 110 Volt auf 380 Volt umwickeln lassen. Natürlich kostete so etwas Geld, 2300,- Mark waren für das Umwickeln eines 5 PS - Motors fällig.

eigenartige Spannungs- verhältnisse

Bei den Umbauarbeiten trat zu Tage, daß viele alte Hausinstallationen Erdschluß hatten, was wiederum zu ganz eigenartigen Spannungsverhältnissen führte.
3 110 Volt Drehstrommotoren arbeiteten nicht mehr vernünftig und die Erdschlüsse führten beim neuen 220/380 Volt - System zu Kurzschlüssen.

Der Schiedsspuch

Ein Schiedsgericht bestimmte:
Bis zum Panzerkasten trägt das E-Werk die Kosten der Umstellung ganz und innerhalb des Hauses ab Panzerkasten die BLK zu einem Drittel und der Abnehmer zu zwei Drittel.


Strom aus der Steckdose

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1930

Die Umstellung der alten Netzformen auf das heute übliche 380/220 V - System war Ende der zwanziger Jahre praktisch abgeschlossen.
Nach der Umstellung auf das leistungsfähigere Drehstrom - Vierleiternetz konnten die BLK nun jegliche Art von Energiehunger stillen.

Alles verkabelt

Strom war jetzt in Hülle und Fülle vorhanden.
Die Firma Barthels & Feldhoff in Krebsoege hatte einen Jahresstromverbrauch von 60000 kWh. Auch die bisher nicht verkabelten Höfe in den Außenbezirken erhielten nun Strom.

Nur noch Strom für die Straßenbahn

Die Maschinenanlagen in der Düstergasse verschwanden und das Dampfkraftwerk diente nur noch als Transformatorenstation der BLK.
Für die Straßenbahn befanden sich danach ein oder mehrere Umformer in dem Saal, die den Drehstrom in 500 V Gleichstrom umwandelten. Später wurde für den Straßenbahnstrom ein 300 kW starker Quecksilberdampfgleichrichter aufgestellt.
Mit Stillegung der Straßenbahnstrecke von Remscheid nach Lennep verschwand dieser Gleichrichter Mitte der fünfziger Jahre.

Noch war alles sicher

Im 2. Weltkrieg waren die Umspann- und Verteilungsstation zwar besonders durch feindliche Bomber gefährdet, aber den Bergischen Licht- & Kraftwerken gelang es jedoch, durch Umgehungsleitungen die Stromversorgung relativ sicher zu machen.
Kriegsbedingte Stromabschaltungen waren selten.

Fliegerangriffe

Ständige Fliegerangriffe zwangen die BLK, ihre Verwaltungsstelle in der gefährlichen Nähe des Lenneper Bahnhofs zu räumen. Die Akten wurden nach Lüttringhausen gebracht, die kaufmännischen und technischen Büros in verschiedene Gaststätten evakuiert.

Kurz vor dem Ende

Als wollte sich die Wirtschaft in Deutschland noch einmal aufbäumen, betrug Ende 1944 der Stromabsatz in unserer Gegend 265 Millionen kWh bei einer Spitzenleistung von 70 MW = 70000 kW.

1945

Nach dem Einmarsch der Alliierten war die gesamte Versorgung zusammengebrochen. Schon drei Tage später gelang es jedoch, die kleinen Wasserkraftwerke und die Turbinenanlagen einiger Betriebe zu Stromerzeugung für Lennep und die weitere Umgebung heranzuziehen.

1955

1955 gab es in Lennep bereits 28 Trafostationen.
Zur weiteren Energiesicherung errichteten die BLK 1963 am Johannisberg eine 110 kV Umspannstation mit zwei Drehstromtransformatoren von je 15 MVA.
Anfang der siebziger Jahre gesellten sich zwei weitere 30 MVA Trafos zu den vorhandenen. Ob die Umspannstation mit 90 MVA jetzt endlich für Lennep ausreicht?

1983

1983 rückte ein Abbruchunternehmen an und entfernte sämtliche alten Gebäude im Gebiet der alten Dampfzentrale. In den Jahren 1984 - 1986 entstand gegenüber dem Bahnhof ein neues Verwaltungsgebäude, in dem das RWE die Stromangelegenheiten der Lenneper und der Umgebung regelt.

1993

Ein Jahr später übernahmen die Stadtwerke Remscheid das gesamte Versorgungsgebiet des RWE's in Lennep und Lüttringhausen.
Auch der Rest des alten RWE bzw. BLK- Versorgungsgebietes ist in die Hände der einzelnen Kommunen gelangt

Grüner, gelber und blauer Strom

Andere Netze in Deutschland werden "nur" noch wenigen - allerdings sehr großen Energiekonzernen verwaltet. Die Struktur dieser Konzerne ist nicht mehr mit der "Johann Wülfing & Sohn Elektricitätswerke GmbH" oder der "Elektricitätswerk Kräwinklerbrücke AG" zu vergleichen.
Den Stroman- und verkauf teilen sich allerdings auch noch andere kleine Unternehmen (theoretisch). Sie bieten gelben und blauen Strom oder Aqua-Power an. Die größere Konkurrenz der Anbieter auf dem Energiemarkt sollte den Strom eigentlich billiger machen.
Aber funktioniert das wirklich oder ist lediglich alles nur komplizierter?

©

Peter Dominick 2005

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